Transcutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS, TNS) bedeutet Applikation elektrischer Impulse, die durch die Haut auf die Nerven einwirken, um Schmerzen zu vermeiden oder zu lindern.

Wie ein römischer Geschichtsschreiber berichtete, haben bereits die Ägypter die Elektrizität von Fischen genutzt, um schmerzhafte Erscheinungen zu lindern. Der Patient sollte sich, wenn der Gichtschmerz kommt, auf einen Zitterrochen stellen und solange im seichten Meerwasser stehen bleiben, bis Fuße und Beine taub werden.

Erst im 19 Jahrhundert war aber die technische Entwicklung soweit gediehen, daß elektrischer Strom gezielt für eine kurzzeitige Analgesie eingesetzt werden konnte. Das Entwicklung der Mittel für eine kurzfristige Narkose drängte dieses Verfahren jedoch zunächst in den Hintergrund.

Die Schmerzforschung der 60er Jahre unseres Jahrhunderts und speziell die Publikation der Gate-Control-Theorie weckte das Interesse für die elektrische Schmerztherapie erneut. Gleichzeitig machte die Mikroelektronik die Entwicklung handlicher Taschenstimulatoren möglich.

Von den USA aus fand dieses Verfahren seit Mitte der 70er Jahre über Skandinavien seinen Weg nach Deutschland.

Inzwischen wird die TENS in nahezu allen schmerztherapeutischen Institutionen angewandt. Die Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 1987 beflügelte die Verbreitung der Methode noch einmal deutlich.


Grundsätzlich gibt es keine Schmerzen die nicht mit TENS behandelt werden dürfen

TENS sollte jedoch nicht bei Menschen mit Herzschrittmachern angewendet werden, weil der Herzschrittmacher durch die Elektrotherapie, zu der die TENS gehört, "aus dem Tritt" kommen könnte.

Natürlich dürfen die Elektroden nicht direkt auf erkrankter oder verletzter Haut angebracht werden. Vorsichtig sollten auch Patienten sein, die unter Epilepsien leiden.


Die Krankenkasse bezahlt die TENS-Therapie bei folgenden Schmerzformen:

* Schmerzen nach Unfällen
* Nervenschmerzen wie Trigeminusneuralgie, "Hexenschuß", Gürtelrose usw.
* Phantomschmerz (Schmerzen nach Amputationen)
* Schmerzen bei oder nach einer Krebserkrankung
* Schmerzen bei Durchblutungsstörungen
* Schmerzen bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, hierzu gehören zum Beispiel alle rheumatischen Erkrankungen und alle Schmerzarten die durch Abnutzung, Überlastung, Reizung, Entzündung oder angeborene Fehlbildungen der Knochen, Muskeln und Gelenke entstehen


Grundsätzliches

Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), mit batteriebetriebenen Taschenreizstromgeräten, ist eine besonders wirkungsvolle und gefahrlose Elektrotherapie über das Nervensystem. Die Geräte sind relativ robust, einfach in der Bedienung und Anwendung. Die Wirkung dieser Behandlungsmethode wurde in großen klinischen und experimentellen Studien untersucht und hat sich seit über 20 Jahren in vielen Ländern bewährt.


Hauptanwendungsgebiet

Das Hauptanwendungsgebiet der TENS ist die Schmerztherapie. Auch bei Kranken mit lange bestehenden, wenig beeinflussbaren Schmerzen (jeder Art, auch Tumor- oder Krebsschmerz!) lässt sich oft noch eine gute bis sehr gute Schmerzunterdrückung erzielen. Die Wirkung der TENS ist heute wissenschaftlich aufgeklärt. Es ließ sich nachweisen, dass durch die TENS-Behandlung körpereigene schmerzunterdrückende Systeme des Zentralnervensystems aktiviert werden, die die Weiterleitung der Schmerzimpulse zum Bewusstsein hemmen.


Sehr gute Verträglichkeit

Die TENS zählt zu den Heil- und Behandlungsmethoden der Naturheilkunde, denn mit den elektrischen Reizen werden gefahrlos und ohne Nebenwirkungen (außer sehr seltener Strom- und Elektrodenüberempfindlichkeit) über das Nervensystem körpereigene Schutz- oder Kontroll- sowie Regelmechanismen stimuliert. Diese sind normalerweise auch im Körper wirksam, aber bei einer Erkrankung gestört oder überfordert.

Vielfach entstehen durch diese krankheitsbedingten nervalen Fehlsteuerungen, die zum Teil durch Umweltschäden und andere Belastungen mitbedingt sind, chronische Erkrankungen und chronische Schmerzen. Durch gezielte Reize der TENS an den richtigen Orten ist es möglich, die Selbstheilungskräfte und schmerzbegrenzenden Systeme zu aktivieren, bzw. das übererregte Nervensystem zeitweilig zu beruhigen, damit sich in der Erholungsphase die körpereigenen Regelsysteme harmonisieren.

Die Effizienz dieser Behandlung liegt nach jahrelanger Erfahrung und zahlreichen Studien bei über 60%, bei einigen Indikationen und regelmäßiger Anwendung bei über 90%.

Damit ist die TENS in die Reihe der hochwirksamen Therapien einzuordnen.

Die TENS-Behandlung mit der heutigen Gerätegeneration ist bei richtiger Anwendung absolut ungefährlich und nebenwirkungsfrei. Spätschäden, wie bei der Langzeitmedikation von Schmerzmitteln zu erwarten, treten bei der TENS-Therapie nicht auf.

Seltene Hautrötungen können durch allergische Reaktionen gegen Elektrodengel oder Elektrodenmaterial bedingt sein. Für alle Anwendungen stehen geeignete Elektroden zur Verfügung.

http://www.lifeline.de/themenspecials/schmerzbehandlung/nicht-medikamentoese-schmerztherapie/


Erstellt: 17.02.2005
Überprüft: 10.02.2017

 
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